Problemstellung und Leitfragen

Problemstellung

Ökonomischer Wettbewerb kann schon lange nicht mehr auf konkurrierende Produkte und Dienstleistungen reduziert werden, vielmehr ist dieser durch konkurrierende Geschäftsmodelle charakterisiert. Die Suche nach Einzigartigkeit und Alleinstellung in Form von "Best Practices" ist in vielen Organisationen daher zu einem alltäglichen Begleiter geworden. Notwendig erscheint dieses Bestreben auch dahingehend, da wiederkehrende Vertrauenskrisen - resultierend aus einer wahrgenommenen, organisatorischen Unzuverlässigkeit - nicht nur Kundenbindung und -migration nachhaltig beeinflussen, sondern gleichermaßen die gesamtorganisatorische Marktposition.

Ungeachtet dessen muss man feststellen, dass der Wahrnehmungsfokus betrieblicher Entscheider durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ein beratendes Umfeld sowie das eigene Managementverständnis vielfach eine effizienzgetriebene Fokussierung erfährt. Bspw. bestimmen marktforschungsbasierte Auswahlprozesse über die Attraktivität und Wahrnehmung von Märkten, was unweigerlich zur Folge hat, das Geschäftsmodellinnovationen als Resultat zweckrationaler Planung und Gestaltung verstanden werden.

Dies zeigt bspw. in der Existenz linear-kausaler Vertrauenslogiken. So wird in vielen Organisationen der Versuch unternommen, unter Beibehaltung der eigenen Souveränität das Konsumentenvertrauen als strategischen Wettbewerbsfaktor zu generieren. Vorherrschend ist demnach eine Konzentration auf Produkt-, Service- und Dienstleistungsqualitäten, auf einen Souveränitätsverzicht, wie es der Soziologe Niklas Luhmann für eine Vertrauensgenese als unabdingbar ansieht, wird angesichts einer vermeintlichen Unkontrollierbarkeit des Umfelds verzichtet. Organisationale Beherrschbarkeit durch die Kontrolle von Prozessen und Strukturen wird derart zur Handlungsprämisse des betrieblichen Handelns und Entscheidens.

"[E]inem Souverän kann man nicht vertrauen. Letzte Entscheidungsgewalt produziert ihre Normen selbst. Ein Vertrauen kann sich hier allenfalls darauf beziehen, dass die Grenzen der Souveränität beachtet werden."

Niklas Luhmann (1927-1998), deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker

Leitfragen

Auf Grundlage des hier skizzierten Problemstellung richtet das Buch den Fokus auf die Fragestellung, ob Vertrauen als Basis für eigenständige und nachhaltige Geschäftsmodelltypen fungieren kann. Es widmet sich damit einem innovativen Thema der Betriebswirtschaftslehre, das im Widerspruch zu vielen derzeit vorherrschenden Theorien und Ansätzen der Disziplin steht. Anhand von zahlreichen, branchenübergreifenden Beispielen wird die Logik, Ausgestaltung und Mächtigkeit vertrauensbasierter Problemlösungen untersucht. Im Einzelnen werden dazu folgende Leitfragen beantwortet:

  • Welche betriebswirtschaftlichen Alternativen ergeben sich im Umgang mit einer umfeldbedingten Komplexität?
  • Mit welchem ökonomischen Mehrwert sind vertrauenbasierte Problemlösungen verbunden?
  • Inwieweit besitzen betriebswirtschaftliche Vertrauenslogiken empirischen Bestand und welche Alternativen bieten sich wissenschaftstheoretisch?
  • Mit welcher Konsequenz für das gesamtbetriebswirtschaftliche Organisations- und Managementverständnis sind vertrauensbasierte Problemlösungen verbunden?
  • Auf welche Art und Weise kann ein vertrauensbasierter Musterbruch vollzogen werden?